Die Türkische Zentralbank hat ihren Leitzins um 250 Basispunkte auf 47,5 Prozent gesenkt. Dies ist die erste Zinssenkung seit fast zwei Jahren. Die Zentralbank erklärte, dass die Entscheidung auf Anzeichen einer nachlassenden Inflation basiere. Im November lag die Inflationsrate bei 47 Prozent, nachdem sie Ende 2022 einen Höchststand von 85 Prozent erreicht hatte.
Ökonomen hatten mit einer Zinssenkung gerechnet, jedoch nur um 150 Basispunkte. Die Zentralbank betonte, dass der straffe geldpolitische Kurs beibehalten werde, bis ein signifikanter und nachhaltiger Rückgang der monatlichen Inflationsrate zu verzeichnen sei.
Ökonomen überrascht von Zinssenkung
In den vergangenen 18 Monaten hatte die Zentralbank die Zinsen erhöht, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Der Leitzins wurde von 8,5 Prozent im Mai 2023 auf 50 Prozent im März 2024 angehoben.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zuvor eine unkonventionelle Niedrigzinspolitik verfolgt. Diese wurde jedoch zugunsten orthodoxer wirtschaftspolitischer Maßnahmen aufgegeben, um die Glaubwürdigkeit der Zentralbank zu stärken.
Wechsel der wirtschaftspolitischen Strategie
Trotz der Zinssenkung bleibt die Inflation hoch und belastet die türkischen Haushalte. Die Zentralbank plant, die Inflation bis Ende 2025 auf 21 Prozent zu senken.
Die Zentralbank kündigte an, ihre geldpolitischen Entscheidungen künftig mit Bedacht und auf Basis der Inflationsaussichten zu treffen. Zudem sollen die Devisen-geschützten Lira-Einlagen (KKM) im Jahr 2025 beendet werden. Die Zentralbank plant, im Jahr 2025 acht geldpolitische Sitzungen abzuhalten. Dies stellt eine Reduzierung der Frequenz im Vergleich zu den monatlichen Sitzungen dar.
Die Bank betonte, dass der Leitzins weiterhin das Hauptinstrument der Geldpolitik bleiben wird. Zudem wird der Inflationsbericht viermal jährlich veröffentlicht.
Fortsetzung der aktuellen Geldpolitik
Die Zentralbank hob hervor, dass die Straffung der Geldpolitik zu einer realen Aufwertung der Türkischen Lira und einer Verbesserung der Inflationserwartungen geführt habe. Dennoch bestünden weiterhin Risiken für den Desinflationsprozess.
Die Zentralbank betonte, dass die Geldpolitik weiterhin gestrafft werde, bis eine deutliche Verbesserung der Inflationsaussichten erreicht sei. Die Regierung versprach, den Kampf gegen die Inflation fortzusetzen und die fiskalische Disziplin beizubehalten.