In den ersten zwei Monaten des Jahres 2025 verzeichneten die Maschinenexporte der Türkei einen Rückgang um 4,3 % auf 4,3 Milliarden US-Dollar. Während das Exportvolumen mengenmäßig um 8,8 % sank, stieg der durchschnittliche Exportpreis um 5 %. Besonders der verkürzte Arbeitskalender im Februar beeinflusste die Exporte negativ, sodass der jährliche Rückgang bei moderaten 1,8 % liegt und die Exporte der letzten zwölf Monate 24 Milliarden US-Dollar erreichten.
Herausforderungen auf internationalen Märkten
Die türkische Maschinenbauindustrie sieht sich vor allem in Deutschland und den USA mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Die Exporte nach Deutschland gingen um 11,1 % zurück, während sich die veränderte Importpolitik der USA in einem Rückgang um 14,3 % widerspiegelte. Zudem fielen die Exporte nach Russland infolge verschärfter Sanktionen unter 100 Millionen Dollar pro Monat.
Während einige Maschinenkategorien, wie Lederverarbeitungs-, Gießerei- und Bergbaumaschinen, Rückgänge von über 20 % verzeichneten, konnten andere, etwa Turbinen, Textil- und Verpackungsmaschinen, um mehr als 10 % zulegen.
Neue Chancen durch geopolitische Entwicklungen in Europa
Laut dem Vorsitzenden des türkischen Maschinenexportverbandes, Kutlu Karavelioğlu, eröffnen geopolitische Veränderungen in der EU neue Möglichkeiten für türkische Hersteller. Die EU plant mit dem “ReArm Europe”-Programm und neuen Verteidigungsinvestitionen von über 800 Milliarden Euro eine wirtschaftliche Neuausrichtung, die auch die Nachfrage nach Maschinenprodukten ankurbeln könnte. Zudem könnte die erwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kaufkraft in der Eurozone stärken.
Freihandelsabkommen und Währungseffekte als Schlüssel
Die Türkei könnte jedoch Gefahr laufen, in neuen Märkten an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Während Indien durch ein baldiges Freihandelsabkommen mit der EU seine Importzölle von bis zu 30 % auf europäische Maschinen abbaut, bleibt die Türkei außen vor. Obwohl die Maschinenimporte aus Indien auf über eine Milliarde Dollar gestiegen sind, exportiert die Türkei lediglich Waren im Wert von 270 Millionen Dollar dorthin. Karavelioğlu betont daher die Notwendigkeit eigener Freihandelsabkommen.
Der Maschinenbau in der Türkei schrumpfte 2024 um 8,5 %, während die Gesamtwirtschaft um 0,5 % wuchs. Steigende Wechselkurse könnten jedoch eine Entlastung für Exporteure bringen, da ein stärkerer Euro die Kaufkraft europäischer Kunden verbessert.
Fazit: Trotz der aktuellen Herausforderungen bieten neue EU-Investitionen und geopolitische Entwicklungen Potenzial für den türkischen Maschinenbau. Entscheidend für langfristige Wettbewerbsfähigkeit werden jedoch gezielte Freihandelsabkommen und eine Diversifizierung der Exportmärkte sein.