Türkischer Kaffee, ein fester Bestandteil der Festtagstradition, vor allem zu Bayram, wird für viele Haushalte zunehmend zum teuren Genuss. Seit 2018 hat sich der Preis für 100 Gramm des beliebten Heißgetränks von 2,73 TL auf 45 TL erhöht – ein Anstieg um über 1.550 Prozent.
Der Spruch „Bir fincan kahvenin 40 yıl hatırı vardır“ – sinngemäß: Eine Tasse Kaffee bleibt 40 Jahre in Erinnerung – bekommt eine neue Bedeutung, denn der Kaffee wird zum kostspieligen Erinnerungsstück.
Weltweiter Preisschub – lokale Wirkung
Die Preisexplosion ist nicht nur auf die hohe Inflation in der Türkei zurückzuführen, sondern auch auf globale Entwicklungen. Der Preis für Arabica-Kaffee stieg seit der Pandemie weltweit von 110 auf rund 380 US-Dollar pro 100 Pfund – ein Plus von 209 Prozent.
Auch wenn der Mindestlohn in der Türkei seit 2018 um über 1.279 Prozent gestiegen ist, hat die Kaufkraft im Hinblick auf Kaffee abgenommen: Konnte sich ein Mindestlohnempfänger 2018 noch 588 Packungen à 100 g leisten, sind es 2025 nur noch 491 Packungen.
Kaffee bleibt Kult
Türkischer Kaffee – „Türk kahvesi“ – wird traditionell in kleinen Kupferkännchen (cezve) zubereitet, fein gemahlen und ungefiltert serviert. Seine Geschichte reicht bis ins Osmanische Reich zurück, wo er im 16. Jahrhundert Einzug in die Paläste und später in die Kaffeehäuser hielt – soziale Treffpunkte, die als Vorläufer moderner Cafés gelten.
Die UNESCO hat türkischen Kaffee 2013 als immaterielles Kulturerbe anerkannt – nicht nur wegen seines Geschmacks, sondern auch wegen der Rituale rund um seine Zubereitung, das gemeinsame Trinken und das berühmte Kaffeesatzlesen (fal), das oft bei festlichen Anlässen nicht fehlen darf.
Trotz steigender Preise bleibt türkischer Mokka besonders zu Feiertagen ein Symbol der Gastfreundschaft und des Genusses. Doch der Trend zeigt: Türkischer Kaffee entwickelt sich langsam vom Alltagsgetränk zum Luxusartikel.