Vulkanspektakel am Ätna: Touristenströme trotz Gefahren

22.02.2025 – 13:30 Uhr

Der Ätna, der aktivste Vulkan Europas, zieht derzeit Tausende von Touristen an, die das Naturschauspiel aus nächster Nähe erleben wollen. Trotz eindringlicher Warnungen der Behörden versammeln sich Schaulustige in gefährlicher Nähe zu den Lavaströmen, um Fotos und Videos zu machen. Diese riskante Faszination sorgt für Chaos und stellt eine Gefahr für Besucher und Rettungskräfte dar.

Wilde Szenen am Vulkan

Die sizilianischen Behörden berichten von einem regelrechten Ansturm auf den Ätna. Viele Besucher reisen extra an, um die beeindruckenden Eruptionen zu beobachten. Doch nicht alle halten sich an die Sicherheitsvorschriften. Viele Touristen drängen sich auf den engen Straßen rund um den Vulkan und behindern so die Rettungskräfte, die im Notfall eingreifen müssten.

Salvo Cocina, Chef des Zivilschutzes in Sizilien, kritisiert das Verhalten der Touristen scharf. Er spricht von “wildem und extrem gefährlichem” Tourismus und warnt eindringlich davor, Rettungswege zu blockieren. “Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Situation noch gefährlicher. Die Sturzgefahr steigt und Menschen versinken in der Asche”, so Cocina in einem Facebook-Beitrag.

Gefährliche Zwischenfälle häufen sich

Die Missachtung der Sicherheitsvorkehrungen bleibt nicht ohne Folgen. Am Montag verirrten sich acht Personen, darunter zwei Kinder, bei einer Wanderung auf dem Vulkan und konnten erst nach Stunden gefunden werden. Bereits am Sonntag hatte sich ein 48-jähriger Mann bei einem Sturz das Bein gebrochen. Vier weitere Personen wurden in der Nacht zuvor vermisst.

Trotz Verbot in unmittelbarer Nähe der Lava

Aus Sicherheitsgründen haben die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden einen Mindestabstand von 500 Metern zur Lava angeordnet. Doch viele Besucher ignorieren diese Anweisung. In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos, die zeigen, wie sich Touristen bis auf wenige Meter den heißen Gesteinsströmen nähern.

Vor allem über TikTok verbreiten sich Bilder von Schaulustigen, die sich direkt neben den glühenden Lavamassen aufhalten. Einige Videos zeigen sogar Menschen, die auf den schneebedeckten Hängen des Vulkans Ski fahren – direkt neben der Lava, die den Schnee schmelzen lässt und gefährliche Dampfexplosionen auslösen kann.

Experten warnen vor unterschätzten Gefahren

Carlo Caputo, Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Belpasso, ist besorgt über die zunehmende Unkenntnis der Gefahren: “Ich habe unzählige Bilder und Videos von Menschen gesehen, die sich gefährlich nahe an der Lava aufhalten oder sogar Ski fahren. Diese Situationen sind extrem gefährlich, denn wenn die Lava mit Schnee in Berührung kommt, kann sie explosionsartig verdampfen und Gesteinsbrocken durch die Luft schleudern.

Problematischer Social-Media-Trend

Der Ansturm auf den Ätna reiht sich ein in eine Serie touristischer Exzesse in Italien. Erst vor wenigen Wochen sorgte ein ähnliches Phänomen für Aufsehen, als die Kleinstadt Roccaraso von mehr als 10.000 Tagestouristen überrannt wurde – angelockt von billigen Bustickets und einem bekannten TikTok-Star. Die Situation geriet derart außer Kontrolle, dass die lokalen Behörden sogar den Einsatz des Militärs in Erwägung zogen.

Italien, das Land mit den meisten UNESCO-Welterbestätten weltweit, sieht sich zunehmend mit den Schattenseiten des Massentourismus konfrontiert. Die Faszination spektakulärer Naturphänomene darf nicht dazu führen, dass Sicherheitsbestimmungen missachtet und Menschenleben riskiert werden. Die Behörden appellieren eindringlich an die Vernunft – doch ob die Touristen die Warnungen ernst nehmen, ist fraglich.