Die restriktiven Visavergabeverfahren und strengen Passkontrollen Deutschlands für türkische Tourismusvertreter stoßen auf scharfe Kritik. Der Gründer von GlobeMeets, Hüseyin Kurt, bezeichnete die aktuellen Verfahren als Hindernis für die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder und forderte ein Umdenken.
Deutschland und die Türkei sind wirtschaftlich enge Partner. Allein im Jahr 2014 betrug das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern beachtliche 52 Milliarden US-Dollar: Während die türkischen Exporte nach Deutschland 22 Milliarden US-Dollar betrugen, beliefen sich die Importe aus Deutschland auf 30 Milliarden US-Dollar. Auch im Tourismussektor ist die Verbindung stark: Im vergangenen Jahr besuchten rund 6,6 Millionen deutsche Touristen die Türkei und bescherten der Branche erhebliche Einnahmen.
Schwierige Einreise trotz Visum
Trotz dieser engen Verflechtung beklagt Kurt die massiven Hürden für türkische Touristiker bei der Einreise nach Deutschland. Es sei bereits problematisch, überhaupt einen Termin für ein Visum zu bekommen. Selbst wenn das Visum erteilt werde, sei die Einreise nicht garantiert. Insbesondere bei internationalen Messen wie der ITB Berlin seien viele Branchenfachleute mit umfangreichen und zum Teil unangenehmen Kontrollen konfrontiert worden.
“Wir mussten uns viele Fragen gefallen lassen, erlebten Desinteresse und negative Energie. Ist das der richtige Umgang mit Fachbesuchern?”, kritisiert Kurt das Vorgehen. Dabei sei der Tourismus für beide Länder eine gegenseitige wirtschaftliche Bereicherung.
Einseitige Belastung?
Die problematischen Einreisebedingungen könnten sich negativ auf die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen auswirken. Hüseyin Kurt fordert nicht nur eine Verbesserung der Einreiseprozesse, sondern appelliert auch an die deutschen Tourismuspartner, sich kritisch mit der Situation auseinanderzusetzen.
“Deutsche Reiseveranstalter verdienen Millionen mit dem Tourismus in der Türkei. Sie profitieren auch von unserer wirtschaftlichen Entwicklung. Sollen wir aus Prinzip die gleichen Hürden für deutsche Geschäftspartner aufbauen? Das widerspräche unserer Gastfreundschaft – aber eine einseitige Erschwerung kann nicht die Lösung sein.”, so Kurt.
Appell an die Politik
Kurt fordert eine diplomatische Lösung und appelliert an die türkische Regierung, das Thema in bilateralen Gesprächen mit Deutschland anzusprechen. Er appelliert an Außenminister Hakan Fidan, Kultur- und Tourismusminister Mehmet Ersoy sowie Handelsminister Ömer Bolat, die Missstände auf politischer Ebene anzusprechen.