Turkish Airlines zögert bei Boeing-Bestellung – Airbus könnte profitieren

02.03.2025 – 8:00 Uhr

Ein Großauftrag von Turkish Airlines an den US-Flugzeugbauer Boeing ist weiter ungewiss. Wie Airline-Chef Bilal Eksi kürzlich in London erklärte, hängt die Entscheidung maßgeblich von den Produktionskapazitäten bei Boeing und den Wartungskosten für die Triebwerke von GE Aerospace ab. Die Verzögerung könnte dem europäischen Konkurrenten Airbus in die Hände spielen.

Bereits 2023 hatte Turkish Airlines sowohl mit Boeing als auch mit Airbus über eine Großbestellung von insgesamt rund 600 Flugzeugen verhandelt. Während der Deal mit Airbus zustande kam und die Airline 230 Flugzeuge bestellte, darunter 150 A321neo, 60 A350-900, 15 A350-1000 und fünf A350F, steht die Einigung mit Boeing noch aus.

Laut Eksi will Turkish Airlines rund 300 Boeing-Jets bestellen, darunter Langstreckenflugzeuge vom Typ 787 “Dreamliner” und Mittelstreckenflugzeuge vom Typ 737 MAX. Auch Interesse an der 777X wird der Airline nachgesagt. Allerdings kämpft Boeing mit massiven Qualitätsproblemen, die bereits zu Auslieferungsstopps und Produktionseinschränkungen geführt haben. Insbesondere die Produktion der 737 MAX darf auf Anweisung der US-Luftfahrtbehörde FAA seit mehr als einem Jahr nicht ausgeweitet werden.

Die anhaltenden Schwierigkeiten bei Boeing führen dazu, dass viele Airlines ihre bestellten Flugzeuge deutlich später als vereinbart erhalten. Auch Airbus hat aufgrund holpriger Lieferketten mit Verzögerungen zu kämpfen, ist aber auf Jahre hinaus ausgebucht. Ein Herstellerwechsel ist daher für Turkish Airlines und andere Fluggesellschaften keine einfache Alternative.

Trotz der Herausforderungen bleibt das Expansionsziel von Turkish Airlines ehrgeizig: Bis Anfang der 2030er Jahre soll die Flotte verdoppelt werden. Doch ohne ausreichend neue Flugzeuge dürfte dieses Vorhaben schwer zu realisieren sein. “Jedes Mal bekommen wir den Brief von Boeing, nicht das Flugzeug”, klagt Eksi. Um den Engpass zu überbrücken, setzt Turkish Airlines verstärkt auf Leasing.