TÜİK-Studie: Die unglücklichsten Städte der Türkei enthüllt

(Bildquelle: Trabzon Valiliği)
(Bildquelle: Trabzon Valiliği)
02.03.2025 – 12:00 Uhr

Eine aktuelle Untersuchung des türkischen Statistikamtes (TÜİK) hat die unglücklichsten Städte der Türkei identifiziert. Die „Lebenszufriedenheitsstudie“, die jährlich durchgeführt wird, analysiert die Lebensqualität in den verschiedenen Provinzen des Landes. Dabei spielen Faktoren wie wirtschaftliche Bedingungen, soziale Strukturen, Arbeitsmöglichkeiten und Lebenshaltungskosten eine entscheidende Rolle.

Trabzon führt die Liste an

Laut den TÜİK-Daten ist die Stadt mit dem höchsten Anteil an unglücklichen Menschen Trabzon, wo 11,19 Prozent der Einwohner als unzufrieden gelten. Diese Stadt am Schwarzen Meer wird traditionell mit einer starken kulturellen Identität und natürlicher Schönheit assoziiert. Doch trotz ihrer landschaftlichen Reize scheint die Lebensqualität aus Sicht vieler Bewohner nicht ausreichend zu sein.

Die 10 unglücklichsten Städte der Türkei:

  1. Trabzon – 11,19 %
  2. Diyarbakır – 24,75 %
  3. Antalya – 11,7 %
  4. İzmir – 10,65 %
  5. Ankara – 9,95 %
  6. Samsun – 9,72 %
  7. Istanbul – 9,12 %
  8. Çorum – 9,1 %
  9. Ordu – 8,75 %
  10. Gümüşhane – 7,68 %

Schwarzmeerregion auffällig oft vertreten

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie ist, dass vier der zehn unglücklichsten Städte in der Schwarzmeerregion liegen: Trabzon, Samsun, Ordu und Gümüşhane. Dies wirft Fragen darüber auf, ob es strukturelle, wirtschaftliche oder soziale Faktoren gibt, die speziell diese Region betreffen.

Obwohl das Schwarze Meer mit seinen grünen Bergen, historischen Stätten und Küstenlandschaften eine beliebte Region für den Inlandstourismus ist, kämpfen viele Städte mit wirtschaftlichen Herausforderungen, Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Junge Menschen ziehen oft in größere Städte wie Istanbul, Ankara oder Izmir, um bessere Karrieremöglichkeiten zu finden, was zu einer sinkenden Lebensqualität für die Zurückgebliebenen führen kann.

Warum ist Diyarbakır so unglücklich?

Diyarbakır, eine der geschichtsträchtigsten Städte der Türkei, führt die Liste mit 24,75 % unglücklichen Menschen an – eine deutlich höhere Quote als in den anderen Städten. Experten führen dies auf wirtschaftliche Schwierigkeiten, politische Spannungen und mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten zurück. Insbesondere in den letzten Jahren haben viele junge Menschen Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, was die allgemeine Unzufriedenheit in der Bevölkerung weiter verstärkt.

Großstädte wie Istanbul und Ankara ebenfalls betroffen

Dass Städte wie Istanbul, Ankara und Izmir ebenfalls auf der Liste auftauchen, mag überraschen. Immerhin handelt es sich um die größten und wirtschaftlich stärksten Städte des Landes. Doch genau hier liegt das Problem: Hohe Lebenshaltungskosten, Verkehrsprobleme, überfüllte Stadtteile und ein stressiges Arbeitsleben setzen den Bewohnern dieser Metropolen zu.

In Istanbul klagen viele Menschen über steigende Mietpreise, lange Pendelwege und wirtschaftliche Unsicherheiten, während in Ankara, der Hauptstadt der Türkei, das Leben als monotoner und bürokratischer empfunden wird. Izmir, das oft als lebenswerte Stadt gilt, ist ebenfalls betroffen – was möglicherweise an einem überlasteten Arbeitsmarkt und fehlenden Zukunftsperspektiven für junge Menschen liegt.

Wirtschaft und Lebensqualität als Schlüsselfaktoren

Die TÜİK-Studie zeigt, dass Glück oder Unglück in einer Stadt nicht nur von äußeren Reizen wie Landschaft oder Klima abhängt, sondern stark mit wirtschaftlichen Faktoren, Karrieremöglichkeiten und sozialer Stabilität zusammenhängt. Während das Schwarze Meer und Ostanatolien strukturelle Probleme haben, leiden große Städte unter Überbevölkerung, Stress und hohen Lebenshaltungskosten.

Die Studie gibt jedoch auch wichtige Hinweise für politische Entscheidungsträger, um Maßnahmen zu entwickeln, die das Wohlbefinden der Bevölkerung steigern und die Lebensqualität in problematischen Regionen verbessern können.

(Quelle: TÜİK – Lebenszufriedenheitsstudie 2025)