Istanbul: Hexerei im Belgrader Wald? Mysteriöser Tod entfacht Debatte um spirituelle Trends

10.03.2025 – 12:00 Uhr

Der mysteriöse Tod der 36-jährigen Landschaftsarchitektin Ece Gürel, die vier Tage nach ihrem Verschwinden im Belgrad-Wald gefunden wurde und im Krankenhaus verstarb, hat in der Türkei eine hitzige Diskussion über moderne spirituelle Bewegungen ausgelöst. Laut vorläufigem Autopsiebericht starb Gürel an Unterkühlung infolge längerer Kälteeinwirkung. Die Frage, warum sie allein in den Wald ging und was sie dort tat, bleibt jedoch weiterhin ungeklärt.

Besonders für Spekulationen sorgten ihre Interessen an spirituellen Praktiken. Medienberichten zufolge soll Gürel an einem „Hexerei“-Kurs teilgenommen haben. Zudem wird gemutmaßt, sie könnte sich für eine sogenannte „Schreitherapie“ oder ein Ayahuasca-Ritual im Wald aufgehalten haben. Ayahuasca, eine halluzinogene Pflanze, ist in vielen Ländern verboten.

Die Verbreitung esoterischer Praktiken wie Energieheilung, Astrologie, Numerologie und alternative Therapien hat durch soziale Medien stark zugenommen. Während einige Anhänger diese Praktiken ernsthaft verfolgen, nutzen andere die wachsende Nachfrage, um finanziellen Profit daraus zu schlagen.

Hale Özen, die Kursleiterin des angeblichen „Hexerei“-Kurses, wurde inzwischen wegen des Verdachts auf „Verbreitung falscher Informationen“ und „qualifizierten Betrugs“ festgenommen. In einem Interview bestritt sie die Vorwürfe und erklärte, der Kurs habe nichts mit Hexerei zu tun. Auch die angebliche Ayahuasca-Nutzung wies sie zurück und betonte, dass weder Gürel noch ihre Familie sich eine solche Substanz hätten leisten können.

Psychiater Hakan Türkçapar warnt davor, dass insbesondere verletzliche Personen leicht Opfer spiritueller Betrügereien werden könnten. „Das ‚Was, wenn es doch funktioniert?‘-Denken führt dazu, dass viele Menschen an solche Praktiken glauben“, so Türkçapar. Für psychisch vorbelastete Personen könnten solche Erfahrungen jedoch ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Auch Aysun Akçalı, eine ganzheitliche Lebensberaterin, kritisierte die Kommerzialisierung von Meditation und alternativen Therapien. „New-Age-Bewegungen und selbsternannte spirituelle Lehrer haben diese Praktiken zu einem Geschäft gemacht. Meditation sollte eigentlich der inneren Ruhe und Selbstreflexion dienen – dafür braucht es keine Wälder, Schreie oder aufwändige Rituale“, erklärte Akçalı.

Die Ermittlungen zu Gürels Tod und den genauen Umständen ihres Aufenthalts im Belgrad-Wald dauern weiter an.